Nico Pelinka und seine ORF-Karriere - ein österreichisches Sittenbild

Der Standard berichtete kürzlich über «Unruhe und Empörung bei ORF-Journalisten über die mögliche Installierung von Niko Pelinka als ORF-Generalsekretär bei der nächsten ORF-Geschäftsführung».

Der Leiter des SPÖ-»Freundeskreises» im ORF-Stiftungsrat und enge Vertraute von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, der derzeit für die ÖBB arbeitet, wurde zuletzt als möglicher Kandidat für den Posten gehandelt.

Das löste Unruhe und Empörung bei ORF-Journalisten über mögliche Installierung eines ORF-Generalsekretärs aus.

Pelinka schließt einen Wechsel in den ORF indes klar aus.

Das ist gut so. Sein ÖBB-Job ist ohnehin perfekt.

Was Pelinka bisher so getrieben hat, las ich kürzlich auf der Webseite http://realkanal.wordpress.com. Ein perfektes Lesestück über Austrorealitäten:

«Vielernorts ist zu lesen, daß der SPÖ-Zögling Nikolaus „Niki“ Pelinka, schon mit 23 Jahren (Anm.: Jahrgang 1986) sein „Studium“, und das neben diversen politischen Spitzenfunktionen, absolviert habe. Doch was der Sohn von Ex-Arbeiterzeitung-, News- und ORF-Journalist Peter Pelinka genau studiert hat oder gar ein Lebenslauf des SPÖ-Spitzenfunktionärs ist kaum zu finden.

Wir haben uns bemüht und sind fündig geworden: nach der Matura hat Pelinka im PR- und Journalismusbereich gearbeitet (für SPÖ, chilli.cc, Der Standard), was ihm in weiterer Folge den Besuch eines 2-jährigen berufsbegleitenden Universitätslehrgangs für „Politische Kommunikation“ an der Donau-Uni Krems ohne Vorstudium ermöglicht hat (BMUKK News 1/2007, S. 5).

Dieses Weiterbildungsprogramm („Teilnahmegebühr“: 14.900 EUR) schließt zwar mit dem akademischen Grad „Master of Science“ ab, ist aber mitnichten ein ordentliches Studium (vgl. Mayer-Kommentar zum UG2002).

Interessant sind auch die personell-institutionellen Zusammenhänge dieses Lehrgangs: Kooperation mit der SPÖ-Parteiakademie „Renner-Institut“ und „ReferentInnen“ wie Doris Bures (früher SPÖ-Frauenministerin, jetzt SPÖ-Verkehrsministerin), Lothar Lockl (Ex-Grünen-Bundesparteisekretär und Ehemann der ORF-Journalistin Claudia Reiterer, die ihrerseits dem „Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen“ Steiermark – zumindest – verbunden ist) sowie der rote Ex-ORF-Boss Gerhard Weis – ÖVP-FPÖ-BZÖ-Funktionäre stehen jedenfalls nicht auf dieser Liste. Darüber freut sich vielleicht der Onkel, Anton Pelinka – ordentlicher Universitätsprofessor für Politikwissenschaft, aber was würde er zum „Studium“ des Neffen sagen?

Letztlich spielt das natürlich alles kaum eine Rolle, denn gut eingewoben in das familiäre SPÖ-Netzwerk braucht sich Niki keine Sorgen um Karriere zu machen: Pressesprecher der Bildungsministerin war er schon, dann ist er zulasten eines langgedienten SPÖ-Mannes in den ORF-Stiftungsrat gehievt worden um dieser Tage weich und sicher als „Polit-Lobbyist“ bei den ÖBB zu landen. Sollten alle Stricke reißen, bleibt ihm ja noch das Netzwerk der „Junge Roten“ um Laura Rudas, ein Sammelbecken für derartige Biographien. In Anbetracht des vergleichsweise hohen Apparatschikfaktors von Nikolaus Pelinka, gibt sich die Presse relativ zurückhaltend. Ob das mehr daran liegt, daß sein Lebenslauf und Netzwerk die narzisstische Journalistenklasse dennoch beeindruckt oder eher eine gewisse Sympathie für Journalistensöhne vorliegt, mag jeder selbst entscheiden. Wenn beides zuträfe, wäre das jedenfalls kein Widerspruch.»

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