Kriegsgebiet Bangkok - als Reporter in der Todeszone!

Bangkok. Was ist bloss mit dieser Stadt passiert? Die Freude ist weg, das Unbeschwerte, das Lächeln. Heute Vormittag war ich in der „Roten Zone“ – der schmutzigen, öligen Zeltstadt inmitten von Glaspalästen, in der 5000 „Rothemden“ auf den Sturm der Armee warten. Auf den Heldentod.

Die „Roten“ reden ständig von Kampf, Sieg, Blut und Gerechtigkeit. Was für ein Unsinn.

Vor wenigen Wochen noch herrschte hier pures Leben. Das Siam Paragon, das wahrscheinlich beste Einkaufszentrum Asiens. Das World Center – ein exklusives Markenartikel-Geschäft neben dem anderen. Das Grand Hyatt. Ein perfektes Hotel. Gute Restaurants, Bars, Sicherheit, Stimmung, Lebensgefühl. Darüber schwebte der Skytrain, die Hochbahn, in der man über die Stadt gleiten konnte.

Acht Millionen Euro haben sie hier pro Tag umgesetzt. Heute sind die zehntausenden Angestellten weg, verdienen nichts. Die Hotels sind zu, verbarrikadiert. Der Lumpini-Tower, der mächtige Hochhausturm, ein Tummelplatz für Heckenschützen. Eine Geisterstadt. Das Herzstück Bangkoks ist tot. Kein Strom, kein Wasser, kein Lächeln, keine Freundlichkeit, bloss finstere Gestalten.

Jeder trägt mehrere Molotowcocktails mit sich. Manche haben Schlagstöcke. Dazwischen rollende Garküchen, fliegende Verkäufer, die mir falsche Uhren und noch falschere Handtaschen andrehen wollen. Über dem Ganzen hängt eine Dunstwolke aus Urin, Kot, altem Fett und purer Aggression. Die mobilen Klos, die jetzt neben den Fendi, Gucci und Armani Geschäften stehen, laufen über. Nutzlos.

Ich verspüre keine Angst. Bloss ein ungutes Gefühl.

Alles ist inzwischen völlig vermüllt. Ratten. Kakerlaken. Dazwischen Frauen, die mit ihren Kindern auf Bastmatten liegen. Jeden Moment kann die Armee stürmen und hier liegen Frauen mit ihren Babys herum. Die Thais lieben ihre Kinder. Und jetzt das!

Busse hat die Armee den Frauen Busse zur Verfügung gestellt. Sie sollen sie zum Pathum Tempel bringen. Eine neutrale Zone. 800 Frauen und Alte haben diese Chance zur Flucht aus der Hölle genutzt. Viele Frauen werden aber nicht weggelassen. Auch die Kinder nicht. Das sind lebende Schutzschilde. Auch in Sarajewo haben sie mit dieser Taktik gearbeitet.

Ich verlasse die „Rote Stadt“. An den Barrikaden finstere Gestalten. Keiner hat ein rotes T-Shirt an. Zwischen Barrikaden und Armee 300 Meter Niemandsland. Rennen. Schüsse sind zu hören. Explosionen. Brennde Autoreifen. Ich trage eine grüne Armschleife. Damit bin ich als Reporter erkennbar. Doch sehen das die Scharfschützen der Armee?

Hinter den ersten Armee-Sandsackburgen warten Mopedfahrer in orangen Jacken. Die Zweirad-Taxis. Sie haben längst die Tuck-Tucks abgelöst, die stinkenden und knatternden Zweitakt-Ungetüme. Mein Mopedfahrer bringt mich in die Sukhumvit-Road. Hier ist mein Hotel. Das Landmark. Ein exklusiver Kasten. 31 Stockwerke. 110 Dollar die Nacht. Perfektes Service. Internet. Swimming-Pool. Das Handy funktioniert. Marmorbad.Normalität.

Sie haben mir eine Juniorsuite gegeben. Ohne Aufpreis. Das Hotel ist fast leer. Touristen gibt es keine. In den Bars entlang der Sukhumvit – gähnende Leere. Pat Pong – geschlossen. Die kleinen Geschäfte mit den gefälschten Lacoste-T-Shirts – trostlos. Bässe hämmern aus Go-Go-Bars, Mädchen kreischen. Cowboy-Street. Die sündige Meile. Nur einige wenige Männer mittleren Alters hängen herum – sie geben sich einen anderen Bürgerkrieg. Erste Reihe fußfrei.

Die Freude ist weg aus Bangkok. Es regiert Angst. Eine Tragödie.

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Pia

Pat Pong geschlossen? Oh my God.

18.05.2010 // 00:49 [ Link ]