Jörg Haider - sein bizarrer Tod. Interview mit jener Ärztin, die seine Leiche untersucht hat.

Er starb wie Falco. Betrunken (1.77 Promille) und allein im Auto – Jörg Haider, Österreichs umstrittenster und zugleich markantester Politiker. Ein rechtspopulistischer Alleinunterhalter. Ein Grenzgänger. Ein Marathonmann. Ein Getriebener. Ein Mann, der das Tempo liebte – in seiner Karriere, beim Autofahren, im Wechsel seiner Meinungen und Outfits.

Todesursache – Abriss des Hirnstamms

Jörg Haider verunglückte vor einem Jahr mit seinem Auto, am 11.Oktober.

Attentatsgerüchte, Verschwörungstheorien, eine Mordanzeige bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt (Kärnten) – die Spekulationen um den Unfalltod des Ausnahmepolitikers wurden immer bizarrer. Beschäftigen Österreich bis heute.

Nun, rechtzeitig zum Jahrestag, veröffentlichte das österreichische Nachrichtenmagazin NEWS den Gerichtsakt zum Unfalltod des Politikers.

Interview mit der Frau, die Haiders Leiche untersuchte

Der Akt bestätigt das, was Universitätsprofessorin Kathrin Yen (41), Leiterin der Rechtsmedizin an der Uniklinik in Graz (Steiermark), bereits vor elf Monaten in einem BILD-Interview gesagt hat. Yen untersuchte den Leichnam des Politikers, führte die Obduktion durch.

Zum Nachlesen Auszüge aus dem Gespräch, das ich damals geführt habe.

Frage: Woran starb Jörg Haider wirklich?

Yen: Die todesursächliche Verletzung war eine Dissektion, ein Abriss des Hirnstamms – eine Verletzung, die zum sofortigen Tod führt. Bei schweren Verkehrsunfällen sehen wir immer wieder solche Verletzungen, sie sind Folge der enormen Kräfteverhältnisse, die im Wagen wirken.

Frage: Haider hatte bei seinem Tod 1,77 Promille Alkohol im Blut. Wonach haben Sie noch gesucht?

Yen: Bei komplexen Verkehrsunfällen wird eine umfassende toxikologische Untersuchung durchgeführt, die alle wesentlichen infrage kommenden Substanzen umfasst hat.

Frage: Mit welchem Ergebnis?

Yen: Wir haben die erwähnte Alkoholisierung festgestellt, Drogen, Medikamente oder sonstige Beeinflussungen sind, wie bereits mehrfach berichtet, nicht gefunden worden.

Frage: Auch keine Spur von K.-o.-Tropfen?

Yen: Nichts von dem, was öffentlich spekuliert wurde, hat sich bestätigt, auch keine K.-o.-Tropfen. K.-o.-Tropfen würden auch nicht zum Unfallereignis passen.

Frage: Was wurde dem Leichnam entnommen?

Yen: Die Entnahme von Blut, Urin und gewissen Organproben gehört zum Standard jeder Obduktion.

Frage: Claudia Haider, die Witwe. soll Ihre Ergebnisse anzweifeln. Es gibt auch Gerüchte über weitere Obduktionen ...

Yen: Wenn Nachuntersuchungen dazu dienen, dass die Ergebnisse für die Öffentlichkeit besser nachvollziehbar sind, dann ist nichts dagegen einzuwenden.

(Die Grazer Ergebnisse wurde in Innsbruck bei einer Nachuntersuchung bestätigt. Eine von Claudia Haider in Seibersdorf beantragte Obduktion wurde abgelehnt)

Frage: Viel ist darüber diskutiert worden, ob man sich innerhalb von eineinhalb Stunden so viel antrinken kann ...

Yen: Für die Klärung des Falles relevant ist der Wert, den wir festgestellt haben.

Frage: Kann bei einer Blutuntersuchung auch festgestellt werden, welchen Alkohol jemand getrunken hat ...

Yen: ... zum Teil. Es gibt die Begleitstoff-Analyse, damit können Alkoholarten zumindest eingegrenzt werden.

Frage: Haider soll in kurzer Zeit große Mengen Wodka oder Averna getrunken haben ...

Yen: Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen, schließlich gibt es eine Unzahl von Aussagen, wann Dr. Haider was getrunken haben soll. Es gibt aber auch ethische Grenzen, die ich vor allem im Hinblick auf die Angehörigen des Verstorbenen für wichtig halte.

Frage: Können sie wirklich ausschließen, dass Haider irgendwelche Substanzen in Drinks gekippt worden sind?

Yen: Sämtliche diesbezüglichen Untersuchungen waren negativ. Wir haben aber alle Daten so gesichert, dass auch in vielen Jahren noch Nachuntersuchungen gemacht werden können, sollte ein konkreter Verdacht aufkommen.

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Words: Jörg Haider. Unfalltod. 1.77 Promille. Interview mit jener Frau, die Haiders Leiche untersuchte. NEWS. Verschwörungstheorien

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