Der Fluch der Kennedys - Tod, Tränen, Sex. Macht. Mit Ted starb auch der Clan.
Tragödien und Skandale, Trauermärsche und Särge – die Kennedys! Was hat das Schicksal bloß gegen diesen Clan? Bei keiner Familie liegen Macht & Tränen, Glamour & Drama, so dicht beieinander.
Jetzt starb Senator Edward Kennedy. In seinem Haus auf Cap Code. Gehirntumor. Er wurde bloss 77 Jahre alt.
Ted war der letzte überlebende Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy: „Wir haben das unersetzliche Zentrum unserer Familie und das freudige Licht in unserem Leben verloren", heißt es in einer Erklärung der Familie.
Die welthistorische Dimensionen dieser Tragödie unterstreicht die knappe Erklärung nicht!
Mit seinem Tod geht eine Ära zu Ende, ein Mythos ist tot.
Ted Kennedy war ein Lebemann, ein Grenzgänger. Einer, der immer US-Präsident werden wollte, aber es nie schaffte – er war der letzte noch lebende Sohn des legendären Clanvaters Joseph P. Kennedy. Er war mutig. Er war auch schwach. Er war ein Trinker.
Turbo für Obama. Vor genau einem Jahr hat er sich in einer leidenschaftlichen Rede hinter Präsidentschaftskandidat Obama gestellt: „Er ist ein würdiger Nachfolger meines Bruders JFk“, sagte er. Favorit für das Amt des US-Präsidenten war zu dieser Zeit noch Hillary Clinton, die heute unscheinbare Aussenministerin der Obama-Administration. Ted Kennedy schleppte sich damals aufs Podium am Eröffnungsabend des Parteitags der US-Demokraten in Denver und das Publikum hielt den Atem an.
Gezeichnet von seiner Tumoroperation wenigen Wochen zuvor donnerte seine Stimme durch die Halle: „In diesem November wird die Fackel an eine neue Generation von Amerikanern weitergereicht. Die Arbeit beginnt von Neuem, die Hoffnung wächst wieder, und der Traum lebt weiter." Die Delegierten zollten ihm aufrecht stehend Respekt, viele weinten hemmungslos.
Es war Kennedys letzter großer öffentlicher Moment, sein Abschied. Sein Ritterschlag für Obama.
Die Tragödien. Nun gibt es den Clan nicht mehr, dessen Schicksalschläge die Welt bewegten:
• 1944: Joseph Kennedy jr., Pilot und ältester Bruder von Ted, stürzt beim Einsatz gegen deutsche V-1-Rampen ab – mit 29 Jahren.
• 1948: Kathleen, Teds Schwester, kommt bei einem Flugzeugabsturz in Frankreich ums Leben.
• 1963: US-Präsident John F. Kennedy (1917–1963) wird in Dallas (Texas) ermordet.
• 1968: Robert „Bobby“ Kennedy, Bruder von Ted, wird als Präsidentschaftskandidat in L. A. erschossen.
• 1994: „Jackie“ Kennedy Onassis stirbt an Lymphdrüsenkrebs.
• 1999: John F Kennedy jr. (38) stürzt mit seinem Flugzeug ins Meer. Mit ihm kommen seine Frau Carolyn und deren Schwester ums Leben.
Der langjährige US-Außenminister Henry Kissinger: „Es ist, als wolle Gott diese Familie bestrafen.“
Ted Kennedy – Tragik durchzog sein Leben. Seine Brüder John und Robert ermordet: Er selbst kam 1964 bei einem Flugzeugabsturz nur knapp mit dem Leben davon. Zwei Kinder erkrankten an Krebs; sein Sohn Patrick, der letzte Kennedy in einem öffentlichen Amt, ruinierte seine Karriere im Kongress durch Depression und Drogensucht.
Es waren immer wieder Skandale, die Ted's Leben überschatteten. Manche sagen, der Autounfall von Chappaquiddick 1969, als er Fahrerflucht beging, habe ihn gebrochen. Damals, in der Nacht vom 18. Juli 1969, stürzte er nach einer alkoholreichen Party mit seinem Wagen von einer schmalen Brücke, welche die winzige Insel Chappaquiddick mit der größeren, Martha's Vineyard, verbindet. Er konnte sich retten, seine Assistentin und Geliebte, Mary Jo Kopechne, ertrank.
Neun Stunden lang war Kennedy verschwunden; erst dann meldete er den Unfall. Wegen Fahrerflucht wurde er zu zwei Monaten Bewährung und Führerscheinentzug verurteilt. Das war das Ende aller Ambitionen, die den Kennedy-Jungen von Geburt aus eingetrichtert worden waren. „Wir wollen hier keine Loser haben“, pflegte der Patriarch Joseph „Joe“ Kennedy seinen Kindern einzuschärfen. „In dieser Familie wollen wir nur Gewinner haben“.
Erst elf Jahre später konnte sich „Teddy“ dazu durchringen, eine Art Entschuldigung für Chappaquiddick vorzutragen: „Ich erkenne meine Schwächen an, die Fehler in meinem eigenen Leben. Ich allein bin dafür verantwortlich, und ich allein muss mit ihnen fertig werden.“
Es war zu spät. Er wollte das Vergangene abwerfen, konnte es aber nicht. Fleiß, brillante Rhetorik und politisches Geschick reichten einfach nicht aus, um dem Mythos Kennedy gerecht zu werden.
Nun gibt keine Kennedys mehr. Es gibt nur mehr Obama. Und Arnold Schwarzenegger. Die Welt ist ärmer geworden!
