Richard Holbrooke - US Sonderbeauftragter im Interview

Interview mit Richard Holbrooke, 67, US-Sonderbotschafter und viele Jahre Balkan-Chefverhandler der US-Regierung. Holbrooke spricht über Slobodan Milosevic und Radovan Karadzic, Ex-Chef der bosnischen Serben.

KARL WENDL: Der ehemalige Führer der bosnischen Serben, Rodavan Karadzic, behauptet vor dem UN-Tribunal in Den Haag, Sie und andere US Offizielle hätten ihm zu Beginn des Bosnienkrieges Immunität zugesagt. Er sagt auch, es habe eine Immunitätsvereinbarung zwischen Ihnen und ihm persönlich gegeben…

Richard Holbrooke: Das ist eine absurde und lächerliche Lüge die Karadzic über die Jahre verbreitet hat. Solch eine Vereinbarung wäre unmoralisch und unethisch. Diese ist eine weitere Lüge von dem bösesten Mann in Europa. Von demjenigen der bekannterweise einmal sagte, die Moslems hätten ihren eigenen Marktplatz in Sarajevo gesprengt um anders zu sein! Die Wahrheit ist, Karadzic selbst hat die Sprengung veranlasst.

WENDL: Herr Holbrooke, gab es keine schrifltiche Vereinbarung zwischen Ihnen und ihm?

Holbrooke: Natürlich gab es kein schriftliches Dokument dieser Art. Weil es solch eine Vereinbarung ja nie gegeben hat. Auch ein Vertrag zwischen ihm und dem CIA existiert nicht. Es gibt keine tragbare Absprache! Das ganze ist Fantasie.

WENDL: Vor ein paar Tagen haben sie in einem Interview gesagt, Radovan Karadzic ‘wäre ein guter Nazi gewesen…’

Holbrooke: …ja, denn ist ein echter Verfächter von rasistischen Theorien. Er glaubt an Rassenüberlegenheit obschon die Moslems und Serben grundsätzlich der gleichen Ethnizität/ Volkszugehörigkeit entstammen.

WENDL: Karadzic hat in Den Haag gesagt, er könne wegen des ‘Medien Rummels’ auf kein gerechtes Kriegsgerichtsverfahren hoffen. Was sagen Sie dazu?

Holbrooke: Ich habe das größte Vertrauen in das Gericht. Manchmal geht es meiner Meinung nach zu langsam, aber es werden Mengen von Beweisen erzeugt und ich bin sicher, die Beweise werden zeigen, dass Radovan Karadzic der Erzeuger einer Art ‘ethnischer Säuberung’ war. Und ‘ethnische Säuberung’ ist nur ein anderes Wort für Genozid oder Völkermord.

WENDL: Sie haben viel Zeit im Balkan verbracht, Sie haben die Realität und die Umgebung gesehen. Was bedeutet seine Verhaftung für Sie persönlich?

Holbrooke: Es bedeutet mir sehr viel. Karadzic hätte sofort nach Dayton gefangen genommen werden sollen. Innerhalb der ersten sechs Monate danach, als er täglich in sein Büro ging, seinen grünen Merzedes vor seinem Büro in Pale parkte. Schließlich war es das Hauptquartier der bosnischen Serben.

Das Unvermögen ihn nicht zu fangen ist einer der größten Fehler der letzten zwölf Jahre. Von den 3 übelsten Männern des Balkans, also Milosevic, Mladic und Karadzic ist meiner Meinung nach Karadzic der schlimmste. Die meisten meiner Freunde in Bosnien stimmen dem zu.

Mladic war ein stattlicher Mörderer. Milosevic war ein Opportunist der den Krieg finanzierte. Aber Karadzic war der Schlimmste der schlimmen. Er ist für Hunderte, von Tausenden von Morden verantwortlich. Die Verhaftung von Karadzic ist ein Signal für viel Leute- wie dem Präsident von Sudan- man kann laufen, aber für immer verstecken kann man sich nicht.

WENDL: Karadzic hat zwölf Jahre in Belgrad gelebt. Hätte er eher verhaftet werden können?

Holbrooke: Karadzic wurde von Eingeweihten/Vertrauten geschützt, sie wussten wo er sich aufhielt, sie schützten ihn. Es hat grossen politischen Mut von Präsident Boris Tadic aus Serbien erfordert das er verhaftet wurde. Es ist wichtig für alle zu wissen, das es nicht NATO war, die Karadzic geschnappt hat. Tadic hat eine neuen Sicherheitschef in Serbien, die neu gewählte Regierung von Tadic besitzt die nötige politische Stärke um die Sicherheitseinsätze zu diesen Maßnahmen zu bringen. Ferner hat die Europäische Union diesen Fall perfekt und effektiv gehandhabt. Jetzt müssen sie noch das gleiche mit Ratko Mladic machen.

WENDL: Wie politisch wichtig war diese Verhaftung für Serbien?

Holbrooke: Enorm wichtig. Für die Gerechtigkeit und als Warnung für kommenden Generationen. Sie könnte nicht bedeutender sein.

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